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    • Bild von dem Interviepartner Peter Obermaier, Gesamtkoordinator

    Das neue Tebis: Optimiert für die Fertigung

    Im Gespräch mit Peter Obermaier, Gesamtkoordinator

    Alles zerlegt, Überholtes verworfen, Bewährtes behalten, Vieles verbessert, Neues ergänzt: Peter Obermaier ist hauptverantwortlich für die Gesamtkoordination der 4.1. Im ersten Interview unserer Reihe zur 4.1 fasst er Hintergründe und Ziele zusammen. Sie erfahren:

    • Worin sich die parametrisch-assoziative Systembasis von Tebis von anderen parametrischen Systemen unterscheidet und somit den Weg für ein durchgängiges Komplettsystem ebnet
    • Wieso die neue Benutzerführung besonders anwenderfreundlich ist
    • Wie sich Kundenprozesse mit 4.1 besser automatisieren und digitalisieren lassen
    • Auf welche Weise Sie mit dem modularen Technologiebaukasten Effizienzlücken im Unternehmen flexibel schließen
    CAD-Grafik mit schwarzen Hintergrund
    CAD-Grafik mit schwarzen Hintergrund
    CAD-Grafik mit schwarzen Hintergrund

    Herr Obermaier, Sie koordinieren so ziemlich alles, was bei Tebis mit der Version 4.1 zu tun hat. Nun ist die neue Version fertig. Was sagen Sie dazu?

    Eins vorneweg: Grundsätzlich organisieren wir uns bei Tebis in autarken Teams. Meine Aufgabe ist es, abteilungsübergreifend – von der Software-Entwicklung über Produktmanagement und Technologienteams bis hin zu Marketing und Support – alle zusammenzubringen, die an und mit der neuen Version arbeiten. Zurück zu Ihrer Frage: Die erste Release der neuen Version wurden von Projektpartnern aus unserem Kundenkreis auf Herz und Nieren geprüft. Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Ehrlich gesagt: Mir fällt ein Stein vom Herzen. Und ich freue mich, wenn unsere Kunden nun mit der neuen Version arbeiten können.

    Ganz konkret: Was erwartet Ihre Kunden?

    Wir verfolgen mit der neuen Version drei große Ziele. Das erste Ziel ist es, mit der neuen CAD-Systembasis eine durchgängige Plattform zu schaffen. Damit legen wir die Basis für weitere Entwicklungen: Mittelfristig wollen wir unseren Kunden aus allen Branchen und Industrien ein Komplettsystem bieten, mit dem sie Modelle, Formen und Werkzeuge herstellen – gleich welche Fertigungsaufgabe es zu erledigen gilt. Das zweite Ziel ist der logische und intelligente Aufbau der Software mit einer klaren und einfachen Benutzerführung. Drittens gehen wir mit der CAD-Systembasis, aber auch mit der integrierten virtuellen Spannmittelbibliothek und der verbesserten Anbindung an MES ProLeiS, den nächsten Schritt in Richtung Automatisierung und Digitalisierung.

    Parametrisch-assoziative Systembasis und Solidkernel

    Die Grundlage für ein durchgängiges und fertigungsnahes Komplettsystem

    Mit der neuen CAD-Systembasis meinen Sie die parametrisch-assoziative Systembasis?

    Ja. Dazu kommt unser Solidkernel.

    Jetzt mal ehrlich Herr Obermaier: Parametrisch-assoziative Konstruktion, Solidkernel … das ist doch nicht wirklich neu. Warum haben Sie dann so viel Arbeit in eine eigene Systembasis gesteckt?

    Tebis hat vor über 35 Jahren als erstes Unternehmen eine Software auf den Markt gebracht, mit der man NC-Programme für 3D-Modelle direkt am PC erzeugen konnte. Davon haben nicht nur große Unternehmen wie BMW profitiert. Vor allem für kleine und mittelständische Zulieferer wurde damit überhaupt erst die Möglichkeit geschaffen, einen Fuß in die Welt der computergestützten NC-Programmierung zu bekommen.

    Damit möchten Sie sagen, der fertigungsnahe Mittelstand liegt Ihnen besonders am Herzen …

    Und das ist bis heute so geblieben. Wir wollten eine Systembasis schaffen, die absolut fertigungsnah ist – und zwar ohne Kompromisse. Schnell haben wir festgestellt: Der Teufel steckt im Detail. Unsere Software muss „robust“ sein.

    Das bedeutet?

    Wenn Ihnen enge Liefertermine im Nacken sitzen, brauchen Sie eine Fertigung, die stabil durchläuft. Für eine praxisgerechte Datenaufbereitung ist es unabdingbar, Flächen wie Auszugsschrägen mit Volumen oder offene und geschlossene Solids miteinander verschneiden zu können, ohne dass dies zu Fehlermeldungen führt. Deshalb wird bei Tebis immer ein Ergebnis berechnet, selbst bei vorhandenen Lücken. Und deswegen unterscheiden wir auch nicht zwischen offenen und geschlossenen Solids. Das ist das, was wir mit einer „robusten“ und fertigungsnahen Lösung meinen.

    Und daraufhin ist Ihr Kernel optimiert.

    Ja. Unsere Kunden werden die Parametrik lieben: Sie bietet in Hinblick auf die Datenaufbereitung zahlreiche nützliche Möglichkeiten, die vielen unserer Kunden so wahrscheinlich noch gar nicht bewusst sind. Und selbst für die NC-Programmierung hat die Parametrik viele Vorteile.

    Klare und benutzerfreundliche Benutzerführug

    Die Software denkt mit

    Kommen wir zum nächsten Ziel. Was gibt es zur klaren und einfachen Bedienung zu sagen?

    Es liegt in der Natur der Sache, dass sich eine Software mit jeder Version und jeder Release funktional weiterentwickelt. Als serviceorientiertes Unternehmen ist es uns extrem wichtig, nicht nur alle notwendigen Funktionen zur Verfügung zu stellen, sondern die Software so zu gestalten, dass der Anwender gut damit zurechtkommt. Deshalb haben wir – bevor wir mit dem Umbau der Software überhaupt begonnen haben – unsere Key-User im Kundenkreis gefragt, was wir besser machen können.

    Was ist dabei rausgekommen?

    Ich will ehrlich sein; die klare Quintessenz der Antworten unserer Kunden war: Funktional gibt es nicht viel zu meckern. Aber für manche Einstellungen muss man zu lange suchen und es braucht zu viele Klicks, um zum Ziel zu kommen.

    Das haben Sie dann genauer analysiert.

    Selbstverständlich. Wir haben die Software zerlegt und sie gemeinsam mit unseren Projektpartnern hinsichtlich Bedienbarkeit und Benutzerfreundlichkeit genauestens unter die Lupe genommen. Mit der Version 4.1 verfolgen wir das Ziel, die Bedienung klarer und übersichtlicher zu gestalten.

    Das heißt im Klartext?

    Lassen Sie sich überraschen. Mein Kollege Dr. Wolfgang Schinke wird Ihnen mehr darüber erzählen. Nur soviel vorweg: Unsere Anwender haben uns gesagt, wie sie bei der NC-Programmierung üblicherweise vorgehen. Die Benutzerführung spiegelt die logische Abfolge der einzelnen Arbeitsschritte wider. 

     

    Mehr Automatisierung und Digitalisierung

    Fokus Kundenprozesse

    Als weiteres Ziel haben Sie Automatisierung und Digitalisierung genannt. Diese Themen haben Sie ja schon seit Längerem auf dem Plan. Was möchten Sie in diesem Zusammenhang bei der Version 4.1 besonders betonen?

    Erstens geht es darum, CAD-Konstrukteuren und CAM-Programmieren die tägliche Arbeit mit Möglichkeiten zur Automatisierung zu erleichtern. Zweitens soll sich aber auch die Fertigung selber besser automatisieren lassen. Im Fokus stehen hier die eigentlichen Fertigungsprozesse des Kunden. Stichworte sind die Simulationstechnologien, in die jetzt auch die Spannmittel integriert sind und die verbesserte Anbindung an MES ProLeiS.

    Das müssen Sie uns bitte genauer erklären.

    CAM-Programme können Sie in Tebis schon seit Jahren auf Basis von Schablonen erzeugen, in denen das individuelle Fertigungswissen des Unternehmens digital abgebildet ist. Die CAM-Schablonentechnologie verbessern und vervollständigen wir kontinuierlich. Mit der Parametrik lassen sich nun auch in der CAD-Konstruktion Arbeitsschritte, die sich wiederholen, mit Schablonen erledigen. Das dient dem Ziel, die Fertigungsprozesse unserer Kunden bereits in der Konstruktion und Datenaufbereitung zu berücksichtigen und damit einen enormen Zeitvorteil herauszuarbeiten. Außerdem haben wir das, was wir „Programmieren mit virtueller Maschine“ nennen. In Tebis planen und programmieren Sie von Anfang an mit digitalen Zwillingen der realen Fertigungsumgebung. Mit der 4.1 wird hier eine wichtige Lücke geschlossen: Nun sind auch Spannmittel ohne manuellen Aufwand vollständig in der virtuellen Welt abbildbar und konfigurierbar.

    Würden Sie sagen, dass die virtuelle Maschinentechnik die Brücke schlägt zwischen standardisierter und fertigungsgerechter CAD-Konstruktion und NC-Programmierung auf der einen und automatisierter Fertigung auf der anderen Seite?

    Das trifft die Sache ziemlich genau. Dadurch dass der Anwender in Tebis von Anfang an mit digitalen Zwillingen planen und programmieren kann, schickt er ausschließlich kollisionsgeprüfte NC-Programme auf die Maschine und muss sich somit überhaupt keinen Kopf darüber machen, was nach der NC-Ausgabe passiert.

    Und die verbesserte Anbindung an MES ProLeis?

    Das ist wiederum der nächste Schritt in Richtung Digitalisierung. In unserer MES-Software ProLeiS sind auch die Fertigungsabläufe digital abgebildet. Mit der 4.1 läuft das jetzt noch wesentlich runder.

    Modularer Technologiebaukasten

    Effizienzlücken schließen

    Es gibt ja noch mehr, was in der 4.1 neu ist, zum Beispiel die neue Produktstruktur. Sagen Sie uns dazu bitte noch ein paar Worte?

    Die neue Produktstruktur ist als modularer Technologiebaukasten aufgebaut. Diese Module sind auf spezielle technologische Anforderungen abgestimmt. So können Unternehmen nun ganz gezielt bestehende Effizienzlücken schließen – gleich ob sie Tebis bereits einsetzen oder nicht. Wenn Sie zum Beispiel einen Arbeitsplatz brauchen, mit dem Sie nur schruppen wollen, bitte sehr. Theoretisch könnte auch ein Betrieb, der mit Tebis nur Tiefbohren möchte und ansonsten aber eine andere CAD/CAM-Software im Einsatz hat, unsere automatisierte Lösung zur Tiefbohrbearbeitung nutzen. Die Umstrukturierung unserer Produkte in Technologien werden unsere Anwender auch in der Benutzeroberfläche wiederfinden.

    Herr Obermaier, da haben Sie ja tatsächlich einiges auf den Kopf gestellt. Ist das nicht eine sehr große Umstellung für Ihre Anwender?

    Keine Frage. Vom neuen Objektbaum bis hin zum Arbeitsplan haben wir viel umgebaut, einige Parameter und Funktionen sind „umgezogen“. Aber Tebis bleibt Tebis. Der Anwender findet sich schnell zurecht. Insgesamt ist die Bedienung viel, viel logischer und einfacher geworden. Und wir lassen ja auch niemanden im Regen stehen. Natürlich bieten wir umfassende Update-Trainings an. Ganz besonders möchte ich hier noch unsere Kundenbetreuung hervorheben. Denn auch das ist ein wichtiges strategisches Ziel der Tebis! Partnerschaft: Wir legen sehr großen Wert auf persönlichen Kontakt und darauf, unsere Anwender schnell und unmittelbar zu unterstützen. Natürlich stehen wir unseren Kunden auch bei der Umstellung auf die Version 4.1 mit Rat und Tat zur Seite.

    Und dann gibt es ja auch die neue Tebis Community …

    Genau. Alle unsere Kunden mit Wartungsvertrag können auf unsere neue Tebis Community zugreifen. Dort gibt es viele nützliche Tipps und Tricks rund um die Software. Außerdem können sich unsere Kunden untereinander austauschen. Aktuell finden Sie dort weitere Hintergrundinformationen zur 4.1 sowie zahlreiche Videos, die die Unterschiede zwischen der Version 4.0 und der Version 4.1 im Detail erklären.